BSW kritisiert die geplante Einstellung der ARE-Surveillance in Mecklenburg-Vorpommern
,Nach Einschätzung des BSW droht damit der Wegfall eines etablierten Instruments zur Beobachtung akuter respiratorischer Erkrankungen (ARE) und zur frühzeitigen Erkennung entsprechender Entwicklungen im Infektionsgeschehen. Die ARE-Surveillance erfasst und analysiert kontinuierlich Daten zu akuten Atemwegserkrankungen. Die gewonnenen Erkenntnisse tragen dazu bei, saisonale Krankheitswellen zu beobachten und Veränderungen des Infektionsgeschehens frühzeitig sichtbar zu machen. Die Daten dienen Gesundheitsbehörden, medizinischen Einrichtungen und der Öffentlichkeit als wichtige Grundlage für die Bewertung epidemiologischer Entwicklungen. Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Mecklenburg-Vorpommern soll das bisherige System eingestellt werden. Aus Sicht des BSW stellt sich damit die Frage, wie die bisherige Überwachungs- und Frühwarnfunktion künftig gewährleistet werden soll.
„Gerade angesichts wiederkehrender Infektionswellen und der Erfahrungen der vergangenen Jahre sollte die Gesundheitsberichterstattung gestärkt und nicht geschwächt werden. Bewährte Monitoring-Systeme dürfen nur dann aufgegeben werden, wenn eine mindestens gleichwertige Alternative zur Verfügung steht“, erklärt das BSW Mecklenburg-Vorpommern. Kritisch bewertet das BSW zudem den Zeitpunkt der Bekanntgabe. Wenige Wochen vor der Landtagswahl wurde eine Entscheidung bekannt, die nach Auffassung der Partei zu einer Verringerung der verfügbaren Datengrundlagen für die Beobachtung akuter Atemwegserkrankungen führen könnte.
Das BSW Mecklenburg-Vorpommern fordert die Landesregierung auf,
• die fachlichen, organisatorischen und finanziellen Gründe für die Einstellung der ARE-Surveillance umfassend darzulegen,
• transparent zu erläutern, durch welche Verfahren die bisherige Überwachungsfunktion ersetzt werden soll,
• sowie die Fortführung oder den Ersatz durch ein mindestens gleichwertiges System zu prüfen.
Eine verlässliche Gesundheitsberichterstattung und eine belastbare epidemiologische Datengrundlage seien wesentliche Voraussetzungen für sachgerechte gesundheitspolitische Entscheidungen sowie für das Vertrauen der Bevölkerung in staatliches Handeln.
Fußnote:
[1] ARE = Akute Respiratorische Erkrankungen. Hierunter werden akute Erkrankungen der Atemwege zusammengefasst, darunter insbesondere grippale Infekte, Influenza sowie weitere virale oder bakterielle Atemwegserkrankungen.
[2] Surveillance bezeichnet in der Epidemiologie die systematische und fortlaufende Erhebung, Analyse und Bewertung gesundheitsbezogener Daten zur frühzeitigen Erkennung relevanter Entwicklungen.
[3] Nach Informationen aus dem Bereich der vertragsärztlichen Versorgung Mecklenburg-Vorpommern ist die Einstellung der bisherigen ARE-Surveillance vorgesehen. Das System wurde bislang als Instrument zur Beobachtung des regionalen Auftretens akuter Atemwegserkrankungen genutzt.