Evangelischer Kirchentag: Mehr Differenzierung statt Empörungswelle

Aktuelles
, 2. Mai 2025

Unsere Gesellschaft braucht Brücken, keine Brandbeschleuniger

In den letzten Tagen wurde der Evangelische Kirchentag in Hannover teils heftig kritisiert – insbesondere wegen vereinzelter Veranstaltungen mit queerem oder gendersensiblem Bezug. Einzelne Beiträge aus dem Programm wurden herausgegriffen und in sozialen Medien oder Kommentaren zum Symbol einer vermeintlichen „ideologischen Schieflage“ der Kirchen stilisiert.
Dazu erklärt Melanie Dango, Landesvorsitzende des Bündnis Sahra Wagenknecht in Mecklenburg-Vorpommern:

„Wir teilen bei weitem nicht jede inhaltliche Position, die auf dem Kirchentag vertreten wird. Aber wir verteidigen die Freiheit zur Diskussion, zur Pluralität – und zur Kirche als Ort gesellschaftlicher Verständigung. Wir erleben hier ein Muster, das auch uns als politische Kraft betrifft: Einzelfälle werden vergrößert, verzerrt, skandalisiert – während das große Ganze ignoriert wird: das gemeinsame Ringen um Werte, um Frieden, um ein Miteinander. Gerade in Zeiten wachsender Kriegsgefahr braucht es laut die Stimmen derjenigen, zu deren DNA „Frieden auf Erden“ gehört.“

Das BSW steht für die Wahrung der Neutralität des Staates in religiösen und weltanschaulichen Fragen, für Meinungsfreiheit und auch für Kritik – aber ebenso für Verhältnismäßigkeit und Dialog:

„Wer in einem Programm mit über 1.500 Veranstaltungen einige wenige Veranstaltungen zur queeren Seelsorge oder postkolonialen Perspektive herauspickt und diese dann zur medialen Empörungswelle aufbläht, betreibt am Ende genau das, was viele Kirchen, Parteien und zivilgesellschaftliche Gruppen gleichermaßen trifft: pauschales Bashing, verzerrende Verkürzung – und eine tief undifferenzierte Debatte. Es ist absurd, wenn 1–2 % eines Programms so überrepräsentiert diskutiert werden, dass der Eindruck entsteht, sie seien das Hauptthema einer der größten religiösen Veranstaltungen des Landes.“

Und so mahnt die Landesvorsitzende zu Besonnenheit:
„Wem wirklich an gesellschaftlichem Zusammenhalt liegt, der hetzt nicht – sondern hört zu. Der baut Brücken. Der redet mit den Kirchen, nicht über sie. Und der weiß: Unsere Demokratie lebt von Austausch, nicht von Empörungsschleifen.“

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