PRESSEMITTEILUNG: BSW Mecklenburg-Vorpommern unterstützt Forderungen der Frauenhäuser nach verlässlicher Finanzierung von Kinder- und Jugendfachkräften

Aktuelles
, 2. Juni 2026

Alle drei Stunden ein betroffenes Kind

„Kinder tragen die Narben oft ein Leben lang“ – BSW Mecklenburg-Vorpommern unterstützt Forderungen der Frauenhäuser nach verlässlicher Finanzierung von Kinder- und Jugendfachkräften

Kinder, die mit ihren Müttern vor häuslicher Gewalt fliehen, werden im Hilfesystem häufig noch immer als „Begleitpersonen“ behandelt – obwohl viele von ihnen selbst Opfer oder Zeugen schwerer Gewalt geworden sind. Auf diese Situation machten die Frauenhäuser Mecklenburg-Vorpommerns am Internationalen Kindertag mit einer Kundgebung in der Schweriner Innenstadt aufmerksam.
Vor Ort suchte die Spitzenkandidatin des BSW Mecklenburg-Vorpommern, Sabine Firnhaber, das Gespräch mit Mitarbeiterinnen der Frauenhäuser, Beratungsstellen und Fachverbänden.

„Die Veranstaltung hat auf eindrucksvolle Weise sichtbar gemacht, worüber viel zu selten gesprochen wird: Hinter jeder Statistik stehen Kinder, die Gewalt erlebt haben und häufig ein Leben lang mit den Folgen kämpfen. Kinder sind nicht nur Begleitpersonen ihrer Mütter. Sie sind oft selbst Betroffene häuslicher Gewalt und benötigen eigene Unterstützung, eigene Schutzräume und professionelle Begleitung“, erklärte Firnhaber nach den Gesprächen.

Das BSW Mecklenburg-Vorpommern unterstützt deshalb die Forderung der Frauenhäuser nach einer verlässlichen und dauerhaft gesicherten Finanzierung von Kinder- und Jugendfachkräften in den Einrichtungen des Landes.

Die Entwicklung der vergangenen Jahre ist alarmierend. Laut polizeilicher Kriminalstatistik wurden 2025 in Mecklenburg-Vorpommern 5.204 Fälle häuslicher Gewalt registriert – ein neuer Höchststand.
Fachverbände gehen davon aus, dass jährlich rund 3.000 Kinder gemeinsam mit ihren Müttern Schutz im Hilfesystem suchen. Rechnerisch wird damit in Mecklenburg-Vorpommern etwa alle drei Stunden ein Kind direkt oder indirekt Opfer häuslicher Gewalt.
„Besonders eindrücklich war für mich das Gespräch mit den Organisatorinnen der Kundgebung. Dabei wurde deutlich, dass Kinder häufig die unsichtbaren Opfer dieser Gewalt sind. Während für die Unterbringung der Mütter Strukturen bestehen, fehlt es vielerorts an verbindlich finanzierten Fachkräften, die sich um die traumatischen Folgen bei den Kindern kümmern können. Genau hier besteht akuter Handlungsbedarf“, so Firnhaber.

In den Gesprächen wurde außerdem deutlich, dass finanzielle Hürden noch immer ein ernstes Problem darstellen. Betroffene Frauen müssen die Kosten für ihren Aufenthalt teilweise selbst tragen, wenn keine unmittelbare Kostenübernahme greift. Nach Aussagen der Fachkräfte führt dies immer wieder dazu, dass Frauen aus finanzieller Not in gewaltbelastete Beziehungen zurückkehren.
„Schutz vor Gewalt darf niemals vom Geldbeutel abhängig sein. Es ist nicht hinnehmbar, dass Frauen und Kinder zwischen Gewalt und finanzieller Not wählen müssen. Wer Schutz sucht, muss ihn auch tatsächlich in Anspruch nehmen können“, betonte Firnhaber.

Das BSW verweist auf sein Landeswahlprogramm, in dem unter anderem der Ausbau von Frauenhausplätzen und Schutzwohnungen, die Stärkung der Kinder- und Jugendhilfe, zusätzliche Beratungs- und Therapieangebote für Kinder, Jugendliche und Familien sowie ein Landesaktionsplan
gegen Gewalt mit klaren Zuständigkeiten und verlässlicher Umsetzung gefordert werden.

Auch auf kommunaler Ebene beschäftigt sich das BSW bereits intensiv mit dem Thema. Die Kreistagsfraktion BSW/Freier Horizont im Landkreis Ludwigslust-Parchim setzt sich seit längerem für zusätzliche Schutzangebote für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder ein. Dabei wird insbesondere die Schaffung weiterer Schutzwohnungen als sinnvolle Ergänzung zu den bestehenden Frauenhäusern vorangetrieben. Hierzu befindet sich die Fraktion bereits im Austausch mit der Polizei und weiteren Akteuren vor Ort.
Gerade in einem Flächenland wie Mecklenburg-Vorpommern brauchen wir neben den bestehenden Frauenhäusern auch zusätzliche Schutzwohnungen und dezentrale Hilfsangebote. Nicht jede Betroffene benötigt dieselbe Form der Unterbringung. Entscheidend ist, dass Hilfe schnell, unbürokratisch und wohnortnah erreichbar ist“, erklärte Firnhaber.
Ein weiterer Aspekt dürfe nach Auffassung des BSW in der Debatte nicht übersehen werden: Frühzeitige Hilfe für Kinder und Familien ist nicht nur menschlich geboten, sondern auch gesellschaftlich und wirtschaftlich vernünftig.
„Wer heute bei Prävention, Traumabegleitung und Unterstützung spart, zahlt morgen einen deutlich höheren Preis. Fachleute weisen seit Jahren darauf hin, dass unbehandelte Traumata häufig zu psychischen Erkrankungen, Schulabbrüchen, Suchterkrankungen, Gewaltspiralen und
späteren Belastungen für Jugendhilfe, Gesundheitswesen und Justiz führen. Jeder Euro, den wir heute in den Schutz und die Unterstützung dieser Kinder investieren, ist eine Investition in ihre Zukunft und in die Zukunft unserer Gesellschaft. Hier wird viel zu oft am falschen Ende gespart“,
betonte Firnhaber.
Das BSW Mecklenburg-Vorpommern fordert deshalb:
• eine gesetzlich abgesicherte Finanzierung von Kinder- und Jugendfachkräften in Frauenhäusern und Schutzwohnungen,
• eine verlässliche und auskömmliche Finanzierung von Frauenhäusern und Schutzwohnungen, damit Schutz vor Gewalt unabhängig von der finanziellen Situation der Betroffenen gewährleistet ist,
• den Ausbau von Frauenhausplätzen und Schutzwohnungen insbesondere im ländlichen Raum,
• die konsequente Umsetzung des Landesaktionsplans gegen Gewalt mit klaren Zuständigkeiten und
ausreichender finanzieller Ausstattung,
• eine stärkere Vernetzung von Frauenhäusern, Jugendhilfe, Polizei, Justiz und Beratungsstellen.

„Kinder in Frauenhäusern dürfen nicht länger ein Randthema sein. Sie sind eigenständige Opfer häuslicher Gewalt. Wer es ernst meint mit Opferschutz, muss auch die Bedürfnisse dieser Kinder endlich in den Mittelpunkt stellen. Schutz, Unterstützung und Zukunftsperspektiven dürfen keine Frage des Wohnortes, der finanziellen Situation oder des Zufalls sein“, so Firnhaber abschließend.

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